Sicherheit
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Überblick
Deine Verantwortung
Keine optische Sicherheitsbewertung kann alle denkbaren realen Nutzungsbedingungen abdecken. Infrarotstrahlung ist ein natürlicher Bestandteil der Umgebungsstrahlung; übermäßige Exposition gegenüber intensiven optischen Quellen kann jedoch schädlich sein.
- Versuche niemals, sicherheitsrelevante Komponenten zu ersetzen, zu deaktivieren oder zu modifizieren.
- Beende die Nutzung, wenn Sehbeschwerden auftreten.
Wann aufhören
Wenn du ungewöhnliche Wärme oder Unbehagen in deinen Augen bemerkst, höre auf, das Gerät zu benutzen. Je nach Betriebsbedingungen kann eine leichte Wärme wahrnehmbar sein. Beende die Nutzung, wenn du Folgendes bemerkst:
- Das Kamerabild des Eye-Trackings wirkt überbelichtet oder ausgewaschen.
- Dunkle Flecken im Sichtfeld oder ungewöhnliche visuelle Störungen.
- Trockene oder überanstrengte Augen über das normale Maß bei VR-Nutzung hinaus.
Laborgeprüft
Von einem unabhängigen externen Prüflabor nach EN 62471 (Photobiologische Sicherheit von Lampen und Lampensystemen) getestet und in die Exempt Group eingestuft, die niedrigste der vier in der Norm definierten Risikogruppen.
Mehr InformationenGrundlagen und wissenschaftliche Basis
Grundlagen
Infrarotstrahlung (IR) wird in Eye-Tracking-Systemen häufig eingesetzt, um das Auge zu beleuchten, ohne für das menschliche Auge sichtbar zu sein. IR-Strahlung ist zwar ein natürlicher Bestandteil unserer Umgebung (ca. 50 % der Sonnenstrahlung ist infrarot), längere oder übermäßige Exposition kann jedoch schädlich sein, insbesondere für empfindliche Bereiche wie die Augen.
Um eine sichere Nutzung zu gewährleisten, wurden Richtlinien mit Expositionsgrenzwerten festgelegt, die unter anderem den betroffenen Körperbereich (z. B. Auge, Haut), die Wellenlänge der Strahlung und die Expositionsdauer berücksichtigen. Meine Sicherheitsbewertung stützt sich hauptsächlich auf zwei maßgebliche Quellen:
Die ICNIRP (International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection) ist eine unabhängige Organisation, die wissenschaftlich fundierte Richtlinien zu den gesundheitlichen Auswirkungen nichtionisierender Strahlung, einschließlich Infrarot, bereitstellt. Ihre Expositionsgrenzwerte sind international anerkannt und weit verbreitet.
EN 62471 ist eine europäische Norm, die detaillierte Kriterien zur Bewertung der photobiologischen Sicherheit optischer Strahlungsquellen festlegt. Sie definiert Expositionsschwellenwerte zur Vermeidung thermischer und photochemischer Schäden an Augen und Haut.
Diese Quellen bilden die Grundlage meiner Berechnungen, Designentscheidungen und Sicherheitsvorkehrungen, die darauf ausgelegt sind, die IR-Exposition des Systems deutlich unter den geltenden Expositionsgrenzwerten zu halten. Da Inhalt und Grenzwerte beider Referenzen im Wesentlichen identisch sind, wird im Folgenden nur die Norm EN 62471 im Detail erläutert. Die ICNIRP-Quellen werden ohne weitere Ausführung zitiert.
EN 62471
EN 62471 bewertet photobiologische Gefährdungen durch optische Strahlung im Bereich von 200-3000 nm. Im Kontext dieses Projekts ist die kontinuierliche Infrarotexposition bei etwa 860 nm über mehr als 10 Sekunden relevant, insbesondere hinsichtlich thermischer Gefährdung der Netzhaut, thermischer Effekte auf die Linse und thermischer Schädigung der Haut.
Grenzwerte für die Infrarotstrahlungsexposition des Auges
IR-Strahlung kann von den äußeren und inneren Strukturen des Auges absorbiert werden, einschließlich Hornhaut und Linse, was zu lokaler Erwärmung führt. Da IR-Strahlung unsichtbar ist und keine natürlichen Schutzreflexe auslöst, ist das Auge besonders anfällig für unbeabsichtigte Überexposition. Für Expositionsdauern über 1000 Sekunden legt EN 62471 strenge Bestrahlungsstärkegrenzwerte fest, um akute thermische Schäden und langfristige degenerative Effekte wie Kataraktogenese zu verhindern:
To avoid thermal injury of the cornea and possible delayed effects upon the lens of the eye (cataractogenesis), ocular exposure to infrared radiation, \(E_{IR}\), over the wavelength range 780 nm to 3000 nm, for times greater than 1000 s, shall not exceed [EN 62471 4.3.7]:
$$E_{IR} = \sum_{780}^{3000} E_{\lambda} \times \Delta \lambda \leq 100 \quad \left[\frac{\text{W}}{\text{m}^2}\right] \quad \text{for } (t > 1000 \text{ s})$$$$E_{IR} \leq 100 \frac{\text{W}}{\text{m}^2} = 10 \frac{\text{mW}}{\text{cm}^2} \quad \text{for } (t > 1000 \text{ s})$$Where:
- \(E_{\lambda}\) is the spectral irradiance,
- \(\Delta \lambda\) is the bandwidth,
- \(t\) is the exposure duration,
- \(E_{IR}\) is the infrared irradiance (total IR radiation power per unit area over the wavelength range 780-3000 nm).
Thermischer Netzhautgefährdungs-Expositionsgrenzwert (schwacher visueller Reiz)
Anders als die allgemeinen Strahlungsgrenzwerte, die sich hauptsächlich auf thermische Effekte an den vorderen Augenabschnitten beziehen, konzentriert sich der thermische Netzhautgefährdungs-Expositionsgrenzwert auf das Risiko einer Schädigung der Netzhaut durch Infrarotstrahlung. Auch wenn der visuelle Reiz schwach oder kaum wahrnehmbar ist, kann die Strahlung auf der Netzhaut gebündelt werden und dort lokale Erwärmung sowie potenzielle Verletzungen verursachen. Da die Netzhaut besonders empfindlich auf Temperaturerhöhungen reagiert, legt EN 62471 für kurze Expositionsdauern strenge Grenzwerte fest, um die Netzhautzellen vor irreversiblen thermischen Schäden zu schützen.
For an infrared heat lamp or any near-infrared source where a weak visual stimulus is inadequate to activate the aversion response; the near infrared (780 nm to 1400 nm) radiance, \(L_{IR}\), as viewed by the eye for exposure times greater than 10 s shall be limited to [EN 62471 4.3.6]:
$$L_{IR} = \sum_{780}^{1400} L_{\lambda} \times R(\lambda) \times \Delta \lambda \leq \frac{6000}{\alpha} \quad \left[\frac{\text{W}}{\text{m}^2 \cdot \text{sr}}\right] \quad \text{for } (t > 10 \text{ s})$$Where:
- \(L\) is the spectral radiance,
- \(R(\lambda)\) is the burn hazard weighting function,
- \(\Delta \lambda\) is the bandwidth in nm,
- \(t\) is the exposure time in seconds,
- \(\alpha\) is the angular subtense in radians.
Thermischer Gefährdungs-Expositionsgrenzwert für die Haut
Neben der Augensicherheit befasst sich EN 62471 auch mit dem Risiko thermischer Hautschäden durch längere Infrarotexposition. Da die Haut IR-Strahlung großflächig absorbieren kann, kann übermäßige Exposition zu Oberflächenerwärmung, Verbrennungen oder langfristigen Gewebeschäden führen. Allerdings merkt die Norm an, dass bei Expositionsdauern über 10 Sekunden bei größeren Flächen der Schmerz typischerweise vor einer tatsächlichen Gewebeschädigung wahrgenommen wird. Daher begrenzt die natürliche Abwendungsreaktion des Betroffenen aufgrund des Unbehagens die Exposition in der Regel rechtzeitig, bevor eine Verletzung eintreten kann. Aus diesem Grund werden thermische Gefährdungs-Expositionsgrenzwerte für die Haut hier nicht weiter betrachtet.
[...] exposure limit is based on skin injury due to a rise in tissue temperature and applies only to small area irradiation. Exposure limits for periods greater than 10 s are not provided. Severe pain occurs below the skin temperature required for skin injury, and an individual's exposure normally will be limited for comfort. Large area irradiation and heat stress are not evaluated since this involves consideration of heat exchange between the individual and the environment, physical activity, and various other factors, which cannot be applied in a product safety standard, but must be evaluated by environmental heat-stress criteria. [EN 62471 4.3.8 (Note)]
ICNIRP
Die ICNIRP, International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection, ist eine unabhängige Organisation, die wissenschaftliche Leitlinien zu den gesundheitlichen Auswirkungen nichtionisierender Strahlung, einschließlich Infrarot, bereitstellt. In ihren Veröffentlichungen von 2006 und 2013 behandelt die ICNIRP Expositionsgrenzwerte und mögliche Gesundheitsauswirkungen. Das Dokument von 2006, ICNIRP Guidelines on Limits of Exposure to Broad-Band Incoherent Optical Radiation (2006), enthält den relevanten Haut-Expositionsgrenzwert in Formel 4b auf Seite 639 (bzw. Seite 11 des Dokuments). Das Dokument von 2013, ICNIRP Guidelines on Limits of Exposure to Incoherent Visible and Infrared Radiation (2013), enthält einen aktualisierten Grenzwert in Formel 21 auf Seite 88 (bzw. Seite 18 des Dokuments).
Laborprüfung
Das Ergebnis
Der FFVR-INDEX-V2 wurde in jeder bewerteten Gefährdungskategorie in die Exempt Group eingestuft, für beide leuchtenden Module und bei beiden getesteten Abständen.
EN 62471 teilt optische Strahlungsquellen in vier photobiologische Risikogruppen ein, geordnet vom niedrigsten zum höchsten Risiko: Exempt (Freie Gruppe), Risikogruppe 1 (geringes Risiko), Risikogruppe 2 (mittleres Risiko) und Risikogruppe 3 (hohes Risiko). Exempt ist die niedrigste von der Norm definierte Kategorie. Eine Quelle landet dort, wenn sie unter keiner der von der Norm bewerteten Expositionsbedingungen eine photobiologische Gefährdung darstellt, also weder eine Zeitbegrenzung noch einen Warnhinweis braucht, um sicher zu sein.
Eine Laboreinstufung beschreibt allerdings ein Gerät unter definierten Prüfbedingungen. Sie ist keine Garantie für Sicherheit unter allen denkbaren realen Bedingungen und ersetzt keinen vernünftigen Umgang mit dem Gerät. Beachte daher immer die Sicherheitshinweise im Tab Überblick.
Was getestet wurde, und wie
- Gerät: Eye & Face Tracking Kit für die Valve Index, Modell FFVR-INDEX-V2
- Bewertete Komponenten: das Eye-Modul und das Face-Modul. Das linke und das rechte Eye-Modul sind baugleich und werden von derselben Schaltung angesteuert, daher bewerten die Berichte das eine Eye-Modul-Design.
- Emitter: ROHM CSL1501RW1 im Eye-Modul (Peak 860 nm) und XINGLIGHT XL-3216HIRC-850 im Face-Modul (Peak 850 nm), beide mit kontinuierlicher statt gepulster Emission
- Norm: EN 62471:2008, Photobiologische Sicherheit von Lampen und Lampensystemen
- Labor: Shenzhen Southern LCS Compliance Testing Co., Ltd.
- Messsystem: EVERFINE OST-300, Messsystem für optische Strahlungssicherheit
- Betriebsbedingungen: DC-5-V-Versorgung, stabile Umgebungstemperatur von 25 ± 1 °C sowie LED-Durchlassströme von 6,06 mA im Eye-Modul und 9,1 mA im Face-Modul
Warum bei zwei Abständen getestet wurde
EN 62471 gibt Gefährdungswerte in einem festen Abstand an. Für Quellen, die keine Lampen für die Allgemeinbeleuchtung sind, beträgt dieser Abstand 200 mm. Das ist eine Konvention der Berichterstattung und keine Aussage darüber, wie ein Produkt benutzt wird: Erst der festgelegte Abstand macht Ergebnisse verschiedener Produkte überhaupt vergleichbar.
Ein Headset sitzt aber nicht 200 mm vom Auge entfernt. Die Leuchtdioden des Eye-Moduls sind rund 15 mm entfernt, also deutlich innerhalb des Referenzabstands der Norm. Ein Bericht bei 200 mm allein würde damit eine Konfiguration beschreiben, die im normalen Betrieb nie vorkommt. Die Hardware wurde deshalb zweimal eingereicht:
- Bei 200 mm, dem Referenzabstand der Norm. Die von EN 62471 vorgegebene Konfiguration, die das Ergebnis direkt mit jedem anderen nach dieser Norm geprüften Produkt vergleichbar macht. Bericht LCSB03236073S, geprüft am 16. April 2026.
- Bei 15 mm, dem tatsächlichen Betriebsabstand. Der Abstand, in dem die Module im normalen Betrieb zum Auge stehen, im Bericht als kundenseitig vorgegebener Prüfabstand vermerkt. Bericht LCSB07106047S, geprüft am 24. Juli 2026.
Ab wann ist es zu nah?
Der maßgebliche Grenzwert für eine Infrarotquelle dieser Art ist \(E_{IR}\), die Infrarot-Bestrahlungsstärke, die das Auge erreicht. EN 62471 begrenzt sie auf \(100 \frac{\text{W}}{\text{m}^2}\) für Expositionen über 1000 s, und in diesen Bereich fällt jede VR-Sitzung. Im Betriebsabstand ergibt die Messung:
- Eye-Modul bei 15 mm: \(0{,}19 \frac{\text{W}}{\text{m}^2}\), also ein Faktor 530 unter dem Grenzwert
Weil dieselbe Hardware bei zwei Abständen gemessen wurde, lässt sich weiter nach innen extrapolieren. Die Emission fällt dabei sehr viel flacher ab, als es eine einzelne Punktquelle täte, denn die Leuchtdioden bilden einen ausgedehnten Ring einzelner Emitter. Trotzdem mit dem steileren Abstandsquadratgesetz zu rechnen, ist deshalb die konservative Variante, und genau die liegt der folgenden Zahl zugrunde. Es bleibt eine Extrapolation und keine Messung: Die Berichte nennen keine Messunsicherheit, und LED-Binning sowie Durchlassstrom streuen von Exemplar zu Exemplar.
Selbst auf dieser pessimistischen Grundlage würde das Eye-Modul den Grenzwert erst bei etwa 0,65 mm von einem Emitter erreichen. Dieser Abstand kann in der Praxis nicht auftreten. Das Modulgehäuse hält die Leuchtdioden auf ihrem Betriebsabstand von rund 15 mm, und das Auge kann sich nicht hineinbewegen. Es gibt also keine Position, die man beim Tragen einnehmen könnte und in der die Infrarotbelastung dem Grenzwert nahekäme.
Die vollständigen Berichte
Hardware-Sicherheit
Zur Begrenzung der Infrarotemissionen wird der LED-Strom durch drei unabhängige Mechanismen in Hardware und Software begrenzt — so ausgelegt, dass die Strombegrenzung nicht allein von der Software abhängt.
Zusätzlich würde ein deutlicher Anstieg der IR-Leistung in der Praxis normalerweise sichtbar werden: Eine Überbelichtung in der Eye-Tracking-Anwendung führt zu einem ausgewaschenen oder unbrauchbaren Bild und zeigt damit an, dass etwas nicht stimmt.
Augensicherheitsmaßnahmen
Die Hardware verfügt über drei unabhängige Sicherheitsmechanismen, die den Strom und damit die LED-Ausgangsleistung begrenzen:
Softwarebasierte Strombegrenzung
Der LED-Strom ist per Software einstellbar und ermöglicht eine präzise Kontrolle der Helligkeit. In der Firmware ist ein Maximalwert hinterlegt, der die LEDs unter normalen Bedingungen im vorgesehenen Betriebsbereich hält.
Hardwarebegrenzung über den AW9967DNR-LED-Treiber
Der LED-Treiber (AW9967DNR) besitzt einen integrierten Strombegrenzer, der pro Ausgangskanal ein festes Maximum setzt. Dieser Hardware-Schutzmechanismus ist darauf ausgelegt, den Strom auch bei Softwarefehlern oder Fehlfunktionen unterhalb vordefinierter Werte zu halten.
Polyfuse-Schutz (10 mA pro Eye-Modul)
Jedes Eye-Modul ist durch eine eigene Polyfuse geschützt, die bei etwa 10 mA auslöst. Falls die Hardware-Strombegrenzung aus irgendeinem Grund versagt, begrenzt die Polyfuse den Strom, indem sie ihren Widerstand deutlich erhöht. Sobald wieder normale Bedingungen herrschen, setzt sich die Sicherung automatisch zurück.